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Geschichte

Japansägen: die Säge, die wir nicht benutzen durften.

Als ich in den 80er-Jahren meine Ausbildung zum Tischler absolvierte, kannte ich  Japansägen lange nicht. Nicht mal vom Hörensagen. In der Ausbildung gab es eben „richtige“ Werkzeuge und hier und da auch Spielereien. Japansägen wären demnach eher in die zweite Kategorie gefallen, zumindest in den Köpfen unserer Ausbilder. Es war eben auch die Zeit, als wir noch mit einem Drill-Schraubenzieher bzw. Driller gearbeitet haben. Nicht einmal ein Akkuschrauber war Stand der Technik. Ich weiß noch wie heute, als sich ein Geselle diesen Luxus privat gegönnt hat. Heute absurd und unvorstellbar. Es war aber Alltag: mehr Handarbeit und auch mehr Regeln, mehr „so macht man das, weil wir es immer so gemacht haben.”

Und dann traf ich Hartmut. Er war im selben Lehrjahr wie ich und wir absolvierten gemeinsam die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (so hieß es wirklich). Ein fester Bestandteil der dualen Ausbildung im Tischlerhandwerk. Hartmut war der Sohn eines  führenden Büromöbelherstellers in Herford. Er hatte dieses perfekte Startpaket: In seinem elterlichen Betrieb gab es eine Ausbildungswerkstatt, jede Menge Know-how und Eltern, die für seine Ausbildung an nichts sparten. Und einen Unternehmervater, der Hartmut von einer  Asienreise ein Geschenk mitgebracht hatte. 

Eine japanische Feinsäge. Schlankes Blatt, langer Griff, Zähne wie ein Reißverschluss.

Hartmut brachte sie mit in das überbetriebliche Bildungszentrum nach Bünde und zog sogleich einmal durch ein Stück Holz, während wir uns an Schlitz- und Zapfenverbindungen übten. Dann wurde es still. Kein Ruckeln, kein Klemmen, kein zerfetzter Schnitt. Einfach ein sauberer, gerader Schnitt, als hätte jemand mit dem Skalpell gearbeitet.

Wir standen da und staunten. Fast so, als hätten wir gerade erfahren, dass es auch Fahrräder mit Motor gibt. Doch kaum bekam unser Ausbildungsleiter Kenntnis von dieser Wundersäge, hatten wir, bzw. Hartmut ein Problem. In der Ausbildung war diese Art von Sägen verboten.

Offiziell, weil man „die Grundlagen“ lernen müsse. Inoffiziell, weil eine Japansäge gnadenlos zeigt, wie altbacken auch manche Prozesse sein können. Wir mussten weiter Feinsäge und Gestellsäge benutzen. Punkt. Also machten wir das, was man als Lehrling macht: Wir folgten den Anweisungen des Ausbildungsleiters. 

Mein erster Kontakt mit einer Japansäge

Was eine Japansäge technisch anders macht (und warum das nicht nur Marketing ist)

Eine Japansäge ist keine „exotische Handsäge“. Sie ist konstruktiv komplett anders gedacht.

1) Sie sägt auf Zug, nicht auf Stoß

Westliche Sägen arbeiten typischerweise auf Stoß. Du drückst das Blatt ins Material. Dabei kann sich ein dünnes Blatt leichter verbiegen, weil Druckkräfte es ausknicken lassen können. Japanische Sägen arbeiten dagegen auf Zug. Du ziehst das Blatt durch das Holz. Zugkräfte richten das Blatt gerade. Das Ergebnis: Das Sägeblatt kann deutlich dünner sein, ohne zu flattern oder zu verlaufen. Und genau daraus entsteht der Vorteil, den man sofort fühlt: weniger Kraft, mehr Kontrolle, feinere Schnitte.

2) Dünnes Blatt, reibungsarmer Schnitt, ganz ohne Schränkung

Japanische Feinsägen haben eine sehr feine Bezahnung und einen cleveren Aufbau. Das Blatt ist im Bereich des Sägeblattkörpers dünner ausgeschmiedet und im Bereich der Zähne dicker. Dadurch entsteht weniger Reibung im Schnittkanal. Bei vielen westlichen Sägen wird der Schnittkanal über die Schränkung erzeugt (Zähne stehen leicht nach links/rechts), damit das Blatt nicht klemmt. Bei der Japansäge braucht es das oft nicht in dem Maß und der Schnitt bleibt trotzdem frei.

3) Zahngeometrie für saubere Schnittflanken

Die Zähne sind an der Zahnbrust wechselseitig zur Sägeblattmitte schräg angeschliffen. Das ist ein Grund, warum Japansägen so häufig ausrissarme Schnittflanken liefern, besonders bei feinen Arbeiten und sichtbaren Oberflächen.

4) Langer Griff = Hebel und Führung

Der lange Griff wirkt banal, ist aber praktisch. Du kannst die Säge mit beiden Händen führen, die Zugbewegung stabilisieren und sehr kontrolliert starten. Gerade bei feinen Schnitten macht das einen riesigen Unterschied.

5) Wechselblätter statt Nachschärfen

Viele japanische Sägen sind so ausgelegt, dass du das Blatt wechselst, wenn es stumpf ist. Das ist kein Nachteil, sondern Teil des Systems: Die feine Verzahnung ist häufig gehärtet und extrem scharf, aber eben nicht dafür gedacht, dass man sie „mal eben“ nachschärft. Japanische Sägen kannst du in der Regel nicht selbst schärfen. Du tauschst einfach das Blatt.

Warum eine Japansäge in der Praxis so überzeugt

Wenn du eine Japansäge zum ersten Mal richtig benutzt, passieren meist drei Dinge:

  1. Du setzt an und wunderst dich, wie wenig Druck nötig ist.
  2. Du merkst, dass der Schnitt erstaunlich gerade läuft.
  3. Du schaust auf die Schnittkante und denkst: "Fantastisch, das ist eine andere Liga.“

Der Punkt ist nicht, dass westliche Sägen schlecht sind. Der Punkt ist, für viele feine Holzarbeiten ist die Japansäge einfach effizienter und sauberer. Und das war genau das, was uns in der Ausbildung so genervt hat: Wir hätten mit dem richtigen Werkzeug schneller gelernt, aber wir durften nicht.

Welche Japansäge für welchen Zweck? 

Es gibt drei Klassiker, die du kennen solltest. Wenn du die verstehst, bist du 90 % weiter als die meisten „Ratgeber“.

Ryoba: die Allrounderin mit zwei Schneiden

Ryoba heißt sinngemäß „zweiseitig“. Eine Seite ist fürs Längsholz (mit der Faser), die andere fürs Querholz (gegen die Faser). Wenn du nur eine Japansäge möchtest, ist die Ryoba oft der sinnvollste Einstieg.

Gut für:

  • allgemeine Holzarbeiten
  • Zuschnitte
  • kleine bis mittlere Verbindungen
  • Werkstatt-Alltag

Dozuki: die Präzisionssäge für feine Verbindungen

Die Dozuki hat meist eine Rückenverstärkung (ähnlich einer Rücken-Feinsäge). Dadurch ist sie sehr führungsstabil und ideal für extrem saubere, feine Schnitte.

Gut für:

  • Zinken, Schlitz-und Zapfenverbindungen
  • saubere, sichtbare Schnitte
  • präzises Arbeiten mit wenig Spielraum

Kataba: Effizient, vielseitig, kontrolliert

Kataba ist einseitig verzahnt und ohne Rücken. Das macht sie geeignet für tiefere Schnitte, bei denen du mit einer Dozuki durch den Rücken limitiert wärst.

Gut für:

  • tiefere Schnitte
  • saubere Trennschnitte
  • Arbeiten, wo du „Tiefe“ brauchst

So nutzt du eine Japansäge richtig (damit sie nicht zum Frust wird)

Ein paar Punkte sind simpel, aber entscheidend zu wissen:

  • Druck rausnehmen: Du ziehst, du presst nicht. Wenn du drückst, wird’s ungenau.
  • Schnitt starten mit Gefühl. Die ersten Züge sind kurz und kontrolliert.
  • Führung statt Kraft. Der lange Griff ist dein Vorteil, nutze ihn auch gerne mit zwei Händen.
  • Material fixieren. Gerade bei feinen Zähnen gilt, wackelt das Holz, leidet der Schnitt.
  • Nicht verkanten: dünne Blätter sind präzise, aber sie mögen keine seitlichen Kräfte.

Wenn du das beachtest, hält das Blatt länger und du arbeitest entspannter.

„Warum durften wir das nicht nutzen?“ – der eigentliche Punkt

Rückblickend war das Verbot fast schon logisch: Eine Japansäge ist ein Shortcut. Sie belohnt saubere Führung sofort und bestraft grobe Fehler weniger brutal als manche westliche Säge, weil sie leichter durchläuft. In der Ausbildung wollte man, dass wir Grundlagen lernen. Dazu gehörte Körperhaltung, Führung, Materialverständnis. Und ein wenig kann ich es sogar nachvollziehen. Und geschadet hat es mir persönlich auch nicht. Doch im Alltag einer echten Werkstatt zählt am Ende das Ergebnis pro Zeit und die Qualität der Schnittkante. Und da sind Japansägen nicht „nice to have“, sondern oft schlicht die bessere Lösung.

Was du von einer Japansäge realistisch erwarten solltest

Vorteile:

  • sehr feine, saubere Schnitte
  • wenig Kraftaufwand
  • schmale Schnittfuge (weniger Materialverlust)
  • hohe Kontrolle, gerade bei präzisen Arbeiten
  • Wechselblatt-System: schnell wieder scharf

Nachteile: 

  • Blätter sind empfindlicher gegen Verdrehen und grobe Seitenbelastung
  • Die Nachhaltigkeit. Denn du schärfst in der Regel nicht selbst nach, du tauschst. 
  • Für grobe Baustellenarbeit (Nägel, Dreck, Feuchtigkeit) nicht immer die beste Wahl

Was wir bei Iconic Tools daraus gemacht haben

Wenn du einmal erlebt hast, wie sich ein sauberer Zugschnitt anfühlt, willst du nicht zurück zur „es geht irgendwie“-Lösung. Für uns war das der Startpunkt: Wir wollten Japansägen ins Sortiment nehmen, die nicht nur traditionell sind, sondern im Alltag funktionieren. Temple Tool hat uns dabei mit seiner Qualität und Zuverlässigkeit sehr überzeugt. Wir nutzen sie selbst und aus unserer Sicht ganz klar ein Iconic Tool. 

Entdecke jetzt unser Sortiment an Japansägen in unserem Shop!

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